
Gemeinsam mit den Monsterjäger*innen kam er am westlichen Tor an, der Porta Principalis Sinistra. Insgeheim hatte er diese Tor manchmal das Glückstor, oder auch das goldene Tor genannt. Hier ging der Limes durch. Der Turm war ungefähr 20 Meter hoch und hatte genug Platz, dass zwei Gefährte passieren konnten. Es war riesig und beschützte das Lager vor Eindringlingen.
Er wunderte sich, wo es hingekommen war. An seiner Stelle stand nun eine Brücke, in einem ungewöhnlichen Baustil, die sehr neu wirkte. Auf ihrer Seite waren zwei Stiegenaufgänge, die herunter in den Tiefen Graben führten. Die Brücke wurde von goldenen Verzierungen geschmückt, auch auf der Unterseite. Abbildungen eines weiteren lang vergessenen Zeitalters? Er las die Jahreszahl 1782. Erinnerungen einer anderen Brücke zischten vor seinem inneren Auge vorbei. Eine Kapelle saß in der Mitte, zwei Wächter auf beiden Seiten. Er sah einen Schatten. Eine dunkle Gestalt, von einem goldenen Schimmer überzogen. Ein dunkler Schatten schien ein klareres Bild zu verdecken.
Er verstand, was die beiden Wächter bewachten. Sie bewachten die Brücke gegen Überschwemmungen und gleichzeitig beschützten sie alle Geständnisse und Beichten für ihren Schutzpatron, den heiligen Nepomuk.
Davor, in Vindobona, hatte das Tor gegen Eindringlinge beschützt. Dann gegen Überschwemmungen und jetzt? Doch gegen was schützte es jetzt?
Irgendetwas ging verloren, aber irgendetwas war auch geblieben. Es gab keine Notwendigkeit mehr, gegen Überschwemmungen zu schützen. Aber was geblieben war, war das Gefühl, dass man sich gegen Menschen von außen schützen musste. Ein sehr zerstörerisches Gefühl. Wo kam es her? War es Angst? War es das Unbekannte? Wieder konnte er nicht ganz sagen. Aber ihm fiel etwas anderes auf… Sobald die Monsterjäger*innen sich umgesehen hatte, den Ort neugierig erkundeten, ließ das Gefühl von diesem Platz ab. Der Grant floh. Er wurde von aufgeschlossenen Menschen und Neugierde verdrängt. Hier gab es keinen Raum für Ausschluss. Keine Notwendigkeit für Schutz. Der Schutz lag in der Neugierde und unvoreingenommenen Natur der Monsterjäger*innen. Der Schatten lichtete sich und die Wächter der Brücke fühlten, wie sich ein Gewicht von ihren Herzen hob. Sie mussten die Stadt nicht von Außenseitern beschützen, sie konnten einfach willkommen sagen!
Mit diesem Gefühl im Herzen berührte er die Brücke, um sich etwas Glück abzuholen und folgte den Monsterjäger*innen zum nächsten Monstersignal.
